Editorial

Liebe Leserin,
lieber Leser,

in seiner Geschichte „Wie schwer sind wir?“ überlegt der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel, was er für ein Jahr mit an einen anderen Ort nehmen will. Je länger er überlegt, desto schwermütiger wird er. Mal denkt er: Eigentlich brauche ich fast alles sehr nötig auch am anderen Ort. Das ist natürlich unmöglich. Dann wieder meint er zu erkennen: Wenn ich es recht bedenke, brauche ich eigentlich ganz wenig. Seine Grübeleien gehen so weit, dass er sich fragt, wie viel eigentlich der Besitz eines Mitteleuropäers wiegt und wie viel dagegen der Besitz z. B. eines Inders. Bichsel kommt mit seinen Überlegungen nicht weiter und verschiebt die Entscheidung. Zwischendrin aber spürt er: Nichts mittragen, das ist Freiheit. Und solche Freiheit ist sehr schwer.
Sicherlich hat Furcht viel mit Besitzen und Verlieren zu tun. Das wusste auch schon der Heilige Franz. Was man besitzt, fürchtet man zu verlieren und will man auch verteidigen, sagte Franziskus. Für Pfarrerinnen und Pfarrer, die viel vom „Segen des Loslassens“ sprechen, gehört es darum wohl zu den vornehmsten Dingen, zuerst über das eigene Loslassen nachzudenken. Genau davon handelt die Jahreslosung. Jesus sagt: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Vertrauen ist die Kunst, in der sich gerade die immer neu üben müssen, die viel davon sprechen.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr 2010

Ihr Michael Becker, Herausgeber
 

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